Update zum SPD-Bürgerpreis:

Laudatio der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Karin Wilhelm zur Verleihung der "Bedburg-Hauer Stele“ an FAIR-teiler

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich zu der heute stattfinden Veranstaltung, der zweiten Verleihung des SPD Bürgerpreises, der Bedburg-Hauer Stele.

Zu Beginn möchte ich jedoch Karl-Heinz Gebauer als Vertreter für unseren Bürgermeister, Herrn Peter Driessen, der leider verhindert ist, begrüßen.

Auch möchte ich schon Dank sagen und zwar allen Helfern / Innen die zum Gelingen der heutigen Veranstaltung beitragen und ganz besonders dem Hause Bucksteeg, namentlich Marianne und Wilhelm Bucksteeg. Bei jedem Helfer möchte ich mich für die Beteiligung an dieser Veranstaltung bedanken und natürlich auch bei der Presse für ihr Erscheinen.

Das Leben in einer Gesellschaft ist ohne bürgerliches Engagement überhaupt nicht denkbar. In Bedburg-Hau gibt es eine vielfältige Anzahl von Bürgern/Innen, die sich jeder auf seine/ihre Weise zum Wohl der Gemeinde und ihrer Menschen engagieren. Die SPD Bedburg-Hau bemüht sich um ein sehr bürgernahes und gemeindeprägendes, politisches Auftreten und Wirken, da sie es für ein unabdingbares Handeln für eine funktionierende Gesellschaft hält.

Beim heutigen Preisträger gehörte die SPD Bedburg-Hau zu den Unterstützern der ersten Stunde und bis zum heutigen Tage gibt es einige Querbeteiligungen und Hilfe auch durch SPD Mitglieder. Wer einmal einem Ehrenamt zugestimmt hat – zumal einem sozial orientiertem – lässt sich immer wieder einbinden oder bringt sich freiwillig und gerne ein.

Heute geht es jedoch nicht um die SPD, sondern darum, solches Handeln von anderen zu erkennen, Wert zu schätzen und zu würdigen.

Die SPD Bedburg-Hau hat sich dazu entschlossen einen SPD Bürgerpreis - die von uns sogenannte „Bedburg-Hauer Stele“ - zu stiften und nach Möglichkeit und würdigen Preisträgern einmal jährlich zu verleihen. Mit dem Bürgerpreis und der Verleihung sollen Mitglieder und Mitbürger aufgerufen und motiviert werden, sich für das Wohl der Gemeinde und seiner Mitbürger ehrenamtlich einzusetzen.

Dieser Preis wird einmal jährlich verliehen, die Preisträger erhalten einen Sachpreis – die Stele - und einen Geldpreis in Höhe von 250,- Euro. Diese Preise werden in einer würdigen und feierlicher Versammlung vor Mitgliedern und Mitbürgern überreicht – so wie wir es gerade erleben. Der Bürgerpreis kann an eine Einzelperson – wie im letzten Jahr Andreas Grunenberg - oder eine Gruppe - (so wie heute), oder als Sonderpreis verliehen werden.

Anlass der Preisverleihung sind jedoch immer ehrenamtlich erbrachte Verdienste um das Wohl der Bürger der Gemeinde Bedburg-Hau, die durch wirtschaftliche, kulturelle, politische, sportliche oder soziale Aufgabenerledigung erlangt werden. Ehrenamt ist Voraussetzung – Mandatsträger sind ausgenommen. Auch sollten der oder die Preisträger/innen in der Gemeinde Bedburg-Hau beheimatet sein oder in sehr enger Beziehung zur Gemeinde Bedburg-Hau stehen.

Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch den SPD Vorstand - Vorschläge von den Mitgliedern und Mitbürgern der Gemeinde Bedburg-Hau werden jederzeit gerne entgegengenommen.

Für die SPD ist ehrenamtliches Engagement sehr, sehr wichtig und kostbar!

Wir leben heute in einer Zeit, in der der Einzelne so viel Zeit hat wie wohl nie zuvor und dennoch nie genug davon hat, dass er bereit wäre es für Andere oder gar für die sogenannte „Allgemeinheit“ zu opfern.

Opfern ist ein bedeutsames Wort, meine Erfahrung jedoch ist, dass man beim Ehrenamt zwar Zeit opfert, bzw. einbringt und zur Verfügung stellt, aber im Gegenzug eine Menge wiederbekommt. Man lernt unheimlich viel hinzu, über den Sachverhalt für den man sich engagiert, über andere Menschen, aber auch über sich selbst. Aber wenn man sich für etwas einsetzt, hat man Ziele, Visionen für Veränderungen. Diese Ziele und Visionen setzen Kräfte frei, die man vorher nicht in sich vermutet hat und man kann auch viele andere mit der eigenen Begeisterung motivieren mitzumachen, sich ebenfalls zu engagieren. Dies ist dem heutigen Preisträger in großem Umfang gelungen.

Der Preis geht heute, im Oktober 2014, wie es ja schon der Presse zu entnehmen war, an den FAIR-teiler.

Die Organisation FAIR-teiler wurde im April 2010 ins Leben gerufen. Den Startschuss dazu setze Frau Schild, die durch ihre Tätigkeit an der Schule häufig mitbekam, dass Kinder hungrig zum Unterricht erschienen und diesem Notstand etwas entgegensetzen wollte. Die Arbeit wird getragen von der kath. Pfarrgemeinde St. Antonius Bedburg-Hau in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Kleve, der KAB und der ev. Kirchengemeinde Moyland. Diese Arbeit ist ein gutes Beispiel für sinnvolle und gelungene konfessionsübergreifende Zusammenarbeit, die Mut macht für mehr Gemeinsamkeit.

Unterstützt wird der FAIR-teiler durch viele – mehr als 50 aktive Mithelfer, sei es als Fahrer, Berater oder Verteiler - freiwillige Ehrenamtliche, aber ganz besonders auch durch die Spender der benötigten Dinge. Hier sind zu nennen Einzelhändlern, Bäckereien und Bauernmärkten der Region, die Lebensmittel spenden, aber auch Privatpersonen und Vereine (Landfrauen, Golfclub Moyland, Schützenverein Qualburg) Schulen und Kindergärten und sicher noch viele mehr von denen ich nichts weiß, die den FAIR-teiler tatkräftig finanziell, ideell und moralisch unterstützen.

So wie Frau Schild einen Notstand erkannt hat, ihn jedoch nicht nur mitleidig zur Kenntnis nahm, sondern Anteil nahm, Lösungen gesucht hat, motivierte Mitstreiter und viele ehrenamtliche Helfer gefunden hat und somit das Problem zwar nicht generell beseitigt ist, aber für die Betroffenen Menschen eine Erleichterung des gelebten Alltages ermöglicht hat – so stellen wir uns gesellschaftsnahes, soziales Engagement am Nächsten vor. Getragen und motiviert durch (christliche) Nächstenliebe, einem großen Herzen, aber auch im Bewusstsein dessen, dass jeder von uns sehr schnell selber der Nächste sein kann, den eine Notlage trifft.

Gegründet wurde FAIR-teiler um für Notleidende und Bedürftige der Gemeinde Bedburg-Hau ein umfassendes Hilfsangebot anbieten zu können. Neben einer Basisberatung, die auch die Begleitung bei Behördengängen, das Ausfüllen von Formularen oder die Vermittlung zu Fachberatungsstellen bei Schulden oder Sucht beinhaltet, bietet FAIR-teiler hilfsbedürftigen Menschen zwei Mal wöchentlich von ortsansässigen Geschäften gespendete Lebensmittel zum Erwerb an. Diese werden zuvor von den ehrenamtlichen Helfern abgeholt, sortiert und auf Verwendbarkeit geprüft. Von Beginn an darf sich FAIR-teiler auch über guten Zuspruch und Spendenbreitschaft aus der Bevölkerung und vielen Vereinen freuen. Darauf ist FAIR-teiler auch angewiesen, werden doch regelmäßig rund 160 Kinder und Erwachsene durch die ehrenamtlichen Helfer unterstützt.

Der Preis - den es gleich - gibt ist hart, schwer und kantig-eckig, wie vielleicht auch manchmal das Leben der bei FAIR-teiler Hilfe suchenden Menschen. Der Preis ist eng mit der Gemeinde Bedburg-Hau verbunden, mit dem Markenzeichen im Kreisverkehr. Auch dieses Denkmal zeigt und signalisiert uns: nur gemeinsam sind wir stark – aber einer muss erst mal den Anfang machen und genau dies machte der FAIR-teiler. Die Bedburg-Hauer Stele ist eine Anlehnung an das Denkmal der sieben Stelen im Kreisverkehr der Ortschaft Schneppenbaum, welches die Ortschaften als tragende Säulen der Gemeinde darstellt. Als verkleinerte, aus massivem Granit gefertigte, Nachbildung greift der SPD-Bürgerpreis diese Kernaussage auf: Gerade die vielen Ehrenamtlichen sind tragende Säulen einer Gesellschaft. Ohne sie ist ein Gemeinwesen gar nicht denkbar und dies soll heute hier geehrt und ausgezeichnet werden.

Und wir freuen uns über die große Teilnahme von Bürgerinnen und Bürger an dem Festakt sehr, da es ein Zeichen der großen Wertschätzung und Anerkennung der Leistung von FAIR-teiler ist. Fair sein bedeutet anständiges Verhalten, sowie eine gerechte und ehrliche Haltung gegenüber anderen Menschen. Regeln der Fairness setzen auf einen Konsens (Meinungsübereinstimmung) unter gleichberechtigten Menschen voraus.

Verteiler – N E I N FAIR-teiler: Viele Verteiler, verteilen fair was andere bereit sind zu geben oder zu teilen. Dies geschieht auf Augenhöhe und unter Wertschätzung der jeweiligen Person. Räumlich zwar beengt, aber mit Liebe und Raum zum Gespräch, einem Kaffee und eventuell auch Kuchen.

Seit dem 20.04.2010 gibt es dieses umfassende Hilfsangebot für Bedürftige und Notleidende aus Bedburg-Hau. Nach einem Aufruf vom Januar 2010 haben sich etwa 70 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gemeldet, die inzwischen ihre Arbeit beim FAIR-teiler aufgenommen haben.

Wo und wann: Dienstags von 10-12 Uhr und Donnerstags von 17-19 Uhr im Pfarrheim St. Markus am Klosterplatz 7, Spendenannahme jeweils eine Stunde vor Öffnung

In diesem Zeitraum besteht im Pfarrheim St. Markus für in Bedburg-Hau lebende Bedürftige die Möglichkeit, gespendete Lebensmittel von guter Qualität für einen Betrag von 1 € je Einkaufsbeutel zu erwerben. Dazu ist eine Kundenkarte erforderlich, die jeweils zu den Öffnungszeiten nach Nachweis der Bedürftigkeit ausgestellt werden kann.

Im Laufe der Zeit von vier Jahren sind so ca. 180 Berechtigungskarten verteilt worden, einige Hilfesuchende sind in der Zwischenzeit verzogen, oder haben Arbeit gefunden oder sind aus sonstigen Gründen nicht mehr auf diese Hilfe angewiesen. Zurzeit gibt es 72 aktive Kundenkarten (die für bis zu zwei Bedürftige vergeben sind) Tendenz wieder steigend. Je Warenausgabetermin kommen 40 Kunden.

Die steigende Tendenz ist den statischen Zahlen zu entnehmen:2011 – 253 / 2012- 245 / 2013 – 263 / 2014 – 289 ->Ergänzung 15.000 Portionen – 5 kg -> ca. 100 t -> 5 LKW/Güterzugwaggon

Aber auch ein Wandel bei den Betroffenen ist eingetreten, waren es zu Beginn des FAIR-teilers meist Familien und Alleinerziehende, so benötigen nun vermehrt auch Single-Haushalte Unterstützung. Der Anteil der hilfebedürftigen Kinder liegt aber immer noch bei ca. 40 %.

Darüber hinaus bieten die ehrenamtlichen Helfer für alle Bürgerinnen und Bürger auch eine Basisberatung für alle Probleme und Sorgen des Alltags an. Diese Hilfe kann unabhängig vom Einkommen in Anspruch genommen werden. Die Ehrenamtlichen behandeln alle Angaben selbstverständlich vertraulich. Der FAIR-teiler versucht zu helfen bei der Suche nach geeigneten Hilfsmöglichkeiten in vielen Notlagen. Beim Lesen und Verstehen von Bescheiden und Behördenschreiben und beim Schreiben von wichtigen Schriftwechseln. Er verteilt Informationen über Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Wohngeld usw. und ermöglicht den Weg zur Schuldner- und Sozialberatung, weist auf Beratungsmöglichkeiten bei Erziehungs- oder Suchtfragen. Auch bietet der FAIR-teiler praktische Hilfe an bei der Begleitung bei Ämter- und Behördengängen sowie beim Ausfüllen von Anträgen jeglicher Art.

Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele, in diesem Fall, viele motivierte Helfer des FAIR-teilers. Aktuell kümmern sich rund knapp 50 ehrenamtliche Mitarbeiter um die Abwicklung beim FAIR-teiler. 8 im Leitungsteam, 6 Basisberater, 11 Fahrer und 20 ehrenamtliche in der Warenausgabe.

Es bleibt weiterhin noch viel zu tun zweifelsohne, aber es hat mich auch gefreut zu hören dass es für die vielen ehrenamtlichen Helfer auch etwas geboten wird. Mal eine Radtour, mal ein Adventskaffee – Aktionen die auch zahlreich wahrgenommen werden und das interne Gemeinschaftsgefühl sicherlich nochmals stärken.

Ihre ehrenamtliche „Mischung“ hatte mich interessiert und die geschlechtliche Verteilung ist nicht so einseitig Frauenlastig wie von mir befürchtet und auch die Altersstruktur ist gesund. Ganz junge Aktive fehlen in jedem „Verein“, aber bei Ihnen stimmt die sonstige Verteilung – ein gesunder sprich breiter „Mittelstamm“ – und erstaunlich viele, mobile und einsatzfreudige ältere Ehrenamtliche. Diese können so manchem „Jungspond“=Jugendlichem als Vorbild dienen und Ansporn sein selber aktiv zu sein. Jüngere Helfer wären vielleicht auch gut um den Zugang zu ebenfalls jugendlichen Hilfesuchende zu verbessern.

Es freut mich ganz besonders, dass ich den Preis gleich einem dieser älteren Ehrenamtlichen geben darf. Einem Mann der sein Alter gleich selber nennen darf – wenn er mag – der immer ehrenamtlich unterwegs bzw. engagiert war und bis heute ist und dies trotz gesundheitlicher Einschränkungen und vieler Rückschläge. Als „Stehaufmännchen“ sind Sie mir beschrieben worden, als unermüdlich. Lieber Hermann van Lier Sie sind ein Vorbild für viele, und es ist bewundernswert wie Sie sich immer noch einbringen. Sie sind im Vorstand des FAIR-teilers, aber auch bei der Verteilung aktiv und sorgen dort so manches Mal für leuchtende Kinderaugen wenn Süßigkeiten verteilt werden.

Die Vergabe an die Kunden erfolgt nach einem rotierenden Zahlensystem, sodass jeder Mal in der ersten Gruppe oder gar als Erster sich seine Einkaufstüte füllen lassen kann. Diese freie Wahl der Lebensmittel und Sachspenden ist aus unserer Sicht sehr gut, da sie auf die jeweiligen individuellen Wünsche und Bedürfnisse (auch Geschmäcker) eingeht und nicht so diskriminierend ist wie in anderen Kommunen.

Es war ein langer und mühseliger Weg – der sich aber gelohnt hat. Für die bedürftigen Mitbürger und Kinder der Gemeinde Bedburg-Hau ist der FAIR-teiler zu einer guten, hilfreichen Anlaufstelle geworden. Wir hoffen sehr, dass sich immer mehr Mitbürger engagieren für die Arbeit des FAIR-teilers. Mit Spenden, mit zeitlicher und moralischer Unterstützung. Weitere Ehrenamtliche sind vermutlich immer erwünscht als Berater, Verteiler oder Fahrer. Auch sollte der FAIR-teiler und die Arbeit die er leistet den Menschen, die dieses Angebot benötigen noch besser bekannt werden. Wir alle sollten uns nicht scheuen, Menschen die wir kennen und die in Not sind, zu ermutigen oder zu begleiten und den Weg zum FAIR-Teiler öffnen und erleichtern. Die Grenzwerte um eine Berechtigungskarte zu erhalten sind moderat (im Vergleich zu staatlichen Angeboten) und die Hilfe die man erhält steigert die persönliche Lebensqualität.

Jeder von uns kann auch zusätzlich helfen durch die Abgabe haltbarer Grundnahrungsmitte wie Zucker, Mehl, Nudeln, Reis, H-Milch, Öl, Margarine, Konserven aller Art - auch Pflegemittel wie Seife, Zahncreme und Shampoo sind jederzeit willkommen. Die finanziellen Belastungen durch Zukauf von Waren können durch finanzielle Spenden (gegen Spendenquittung) erleichtert werden.

Getragen und unterstützt wird FAIR-teiler ökumenisch, durch Christen beider Kirchen und sicherlich auch etliche kirchlich nicht gebundene Ehrenamtliche, dennoch wird die Basis bei allen ähnlich sein:

Der Glaube daran, es zu schaffen und das da einer immer mit uns geht,

die Hoffnung darauf, Helfer zu finden und nicht mit allen Sorgen alleine zu stehen und

die Liebe zum Gegenüber, zu jedem Menschen, die uns stärkt diese Dinge alle zu tun.

Das soziale Engagement Ehrenamtlicher für Menschen denen es am Notwendigsten fehlt ist praktizierende Nächstenliebe und findet unsere große Anerkennung. Auch die mit der Basisberatung geleistete Hilfe zur Selbsthilfe ist sehr überzeugend.

Gratulieren Sie alle mit mir dem Preisträger des SPD Bürgerpreises 2014, der „Bedburg-Hauer Stele“, dem FAIR-teiler, vertreten durch Herrn Hermann van Lier und dem Vorstand.

Herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Erfolg!!

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